Anna Chrobry, Projektmanagerin: „Während ich zu Beginn meines Studiums an der Universität Krakau vor allem die Kernphysik im Auge hatte, wuchs im Laufe der Zeit meine Faszination für die Erdatmosphäre und das Klima. Das führte dazu, dass ich in Bremen in Umweltphysik promovierte. Da Bremen auch ein Zentrum der Luft- und Raumfahrtindustrie ist, erfüllte sich im Anschluss daran ein Kindheitstraum: Als Raketenwissenschaftlerin bei Airbus trug ich zu thermischen Entwicklungen für Raumfahrzeuge des Artemis-Mondlandungsprogramms bei. Der Hansestadt bin ich treu geblieben, aber das Berufsfeld habe ich mittlerweile gewechselt. Ich berate Firmen in den Bereichen Projektmanagement sowie Unternehmensentwicklung und -strategie. Dass ich als Forscherin gelernt habe, Prozesse zu analysieren, Probleme zu lösen und mit Menschen zusammenzuarbeiten, kommt mir dabei sehr zugute.“
Julian Schmehr, CEO von X-Spectrum: „Meine wissenschaftliche Karriere begann in Schottland mit dem Master und der Promotion in Physik. Als Postdoc in Kalifornien konnte ich anschließend nicht nur in einem tollen wissenschaftlichen Umfeld arbeiten, sondern auch Delfinen direkt aus dem Büro beim Schwimmen zusehen. Trotzdem traf ich die schwierige Entscheidung, die akademische Laufbahn zu verlassen und schloss mich in Hamburg dem Start-up-Unternehmen X-Spectrum an. Das war ein Glücksgriff: Durch unsere Rolle als Entwickler von Röntgenkameras für die Forschung habe ich engen Kontakt zur Wissenschaft, aber bewege mich nun in einem wirtschaftlichen Umfeld.“
Simon Müller, Direktor Deutschland bei Agora Energiewende: „Zu Beginn meines Studiums interessierte mich vor allem, wie der menschliche Geist und das Gehirn funktionieren. Im Hauptstudium konzentrierte ich mich dann auf die theoretische Halbleiterphysik. Nach einem Vortrag des Klimawissenschaftlers Stefan Rahmstorf (Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung) erschloss ich den Energie- und Klimabereich als optimalen Weg, mein naturwissenschaftliches Studium gesellschaftlich nutzbar zu machen. Über das Mercator-Kolleg für internationale Aufgaben kam ich an die Internationale Energieagentur, wo ich fast neun Jahre arbeitete. Mein physikalisch-technisches Verständnis nutze ich in meinem Beruf jeden Tag. Gleichzeitig macht mit der Kontakt mit Menschen Spaß. Nur im Dialog können wir gesellschaftliche Veränderungen erfolgreich umsetzen.“
Carolin Schlein, Produktmanagerin bei PHYWE: „Während meines Physikstudiums an der Universität Göttingen arbeitete ich als Werkstudentin bei PHYWE, einem Hersteller von Lehr- und Lernmitteln für die naturwissenschaftliche Bildung. Dort bekam ich das Angebot, nach meinem Bachelorabschluss als Produktmanagerin zu arbeiten, und nahm es an. Die Möglichkeit, einen bedeutenden Beitrag zur Bildung zu leisten, erfüllte mich mit Freude und Motivation. Schließlich wurde ich zur Leiterin des Produktmanagements befördert, was mir bestätigte, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Ich freue mich darauf, weiterhin innovative Projekte zu leiten und die Bildung aktiv mitzugestalten. Es lohnt sich, unkonventionelle Wege zu gehen und Chancen zu ergreifen.“
Andreas Reiserer, Professor an der TU München: „Nach meiner Promotion am MPI für Quantenoptik an der TU München wollte ich aufgrund der langen Unsicherheit, die mit wissenschaftlichen Karrieren in Deutschland verbunden ist, zunächst in die Wirtschaft wechseln. Der Otto-Hahn-Award der Max-Planck-Gesellschaft hat mir jedoch eine Alternative aufgezeigt – keine Sicherheit, aber zumindest eine Idee, wie es weitergehen könnte. Nach einem zweijährigen Postdoc in den Niederlanden bin ich daher als Leiter einer Nachwuchsforschungsgruppe an das MPI für Quantenoptik zurückgekehrt und wurde im Anschluss als Professor an die TU München berufen.“
Jacob Beautemps, Content-Creator: „Während meines Studiums der Physik und Sozialwissenschaften auf Lehramt entdeckte ich meine Leidenschaft für die Wissensvermittlung auf eine ganz neue Art: Ich begann, zusammen mit der ehemaligen Produktionsfirma von Günther Jauch einen YouTube-Kanal zu produzieren. Nicht nur, dass ich so einen spannenden Einblick in die Medienwelt bekam, es war für mich auch eine neue Art, mich mit der Physik zu befassen, da ich sie nun für ein breites Publikum auf YouTube zugänglich machen musste. Dazu begann ich meine Promotion zum Lernen aus Videos, die ich im November 2024 erfolgreich abschließen konnte. Die Kombination aus Praxis und Forschung eröffnete mir wertvolle Einblicke, die ich direkt in der Praxis anwenden konnte und zusätzlich an andere Creators von Wissensvideos weitergeben konnte. Ich bin überzeugt, dass die Zukunft des Lernens spannend und vielversprechend ist, und vor allem durch KI noch einmal viel Bewegung dort reinkommen wird. Deshalb will ich auch nach der Promotion weiter in dem Bereich forschen – natürlich neben meinem YouTube-Kanal.“
David Grodzki, Teamleiter bei Siemens Healthineers: „Vor meinem Physikstudium an der LMU München war ich fest überzeugt, nach dem Abschluss sofort zu einer Unternehmensberatung zu gehen. Doch die Physik, das Austüfteln neuer Ansätze und noch zu entdeckende Anwendungen machten mir einfach zu viel Spaß. Durch Praktika bei Prof. Stefan Hell (Göttingen) habe ich früh erfahren, dass man mit einem starken Willen und eigener Überzeugung Lösungen für scheinbar unlösbare Probleme finden kann. Dies und die analytische Denkweise, die man als Forscher erlernt, begleiten mich seitdem. Heute leite ich bei Siemens Healthineers ein Team, das sich mit neuen Methoden im Bereich der Magnetresonanztomografie beschäftigt, von denen Millionen von Patient:innen weltweit profitieren können.“
Martin Schleske, Geigenbaumeister: „Mit sieben Jahren fing ich an, Geige zu lernen, und begann dann mit 17 Jahren in Mittenwald meine Geigenbaulehre. Damals schon wusste ich: Entweder möchte ich einmal bessere Geigen bauen als Antonio Stradivari oder wissen, warum das nicht geht. Durch das Physikstudium lernte ich dann großartige akustische Werkzeuge kennen wie die Modalanalyse, die Spektralanalyse, die Psychoakustik oder die Holzforschung. Die Akustikforschung hilft mir, dem Geheimnis des guten Klangs auf den Grund zu gehen. Heute spielen bedeutende Musiker und Musikerinnen weltweit meine Instrumente anstelle ihrer altitalienischen Meisterwerke. Es ist meine Lebensberufung, an der Werkbank einen Klang zu erschaffen, der die Kraft hat, die Seele zu berühren – mit einer aufbauenden, erschütternden, tröstenden und heilsamen Schönheit.
Safia Ouazi, Lehrerin am Robert-Havemann-Gymnasium Berlin: „Mich fasziniert, wie neue Erkenntnisse über das Verhalten der Materie auf einer unendlich kleinen oder unendlich großen Skala entstehen. Das unendlich Kleine habe ich während meiner zehnjährigen Karriere als Forscherin in drei verschiedenen Ländern untersucht. Dabei habe ich einzelne Atome mit einem Rastertunnelmikroskop manipuliert. Aus familiären Gründen entschied ich mich aber, die akademische Laufbahn zugunsten einer Tätigkeit als Lehrkraft zu verlassen. Als Lehrerin für Physik und Mathematik widme ich mich heute dem unendlich Großen und führe unter anderem astronomische Beobachtungen durch. Aktuell setze ich mich dafür ein, dass aus einer ehemaligen Erdfunkstelle eine Sternwarte für Schulen wird – erste Radiosignale aus unserer Galaxie haben wir dort bereits empfangen. Mit solchen und weiteren Projekten, wie der Teilnahme an einer NASA/DLR-Mission, einer MoonBounce-Veranstaltung oder einem Funkkontakt mit der Antarktis, möchte ich den Nachwuchs für die Naturwissenschaften begeistern.“
Stefanie Walch-Gassner, Professorin an der Universität zu Köln: „Die Astrophysik fasziniert mich seit einem Praktikum am Max-Planck-Institut für Astrophysik (MPA) in Garching und war auch Thema meiner Diplom- und meiner Doktorarbeit an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Ich fragte mich, wie die Geburtsorte neuer Planetensysteme – kalte Scheiben aus Gas und Staub um junge Sterne – entstehen. Dieser Frage ging ich bei einem Forschungsaufenthalt in Wales und als Postdoktorandin am MPA weiter nach. Das Zusammenspiel der physikalischen Prozesse, welche die Sternentstehung ermöglichen, prägt auch meine Forschung an der Universität zu Köln, wo ich seit 2013 einen Lehrstuhl für theoretische Astrophysik inne habe und einen Sonderforschungsbereich leite. Als erste Präsidentin der Astronomischen Gesellschaft lege ich viel Wert auf die Zusammenarbeit innerhalb der astronomischen Gemeinschaft, die Förderung des Nachwuchses und die Kommunikation unserer Wissenschaft.“









