MENSCHEN

Menschen

Physik wird von und für Menschen betrieben.

In diesem Kapitel wird dargestellt, wie die formale Physikausbildung organisiert ist und welche Karrieremöglichkeiten sich im Kontext der Physik ergeben. Es wird beschrieben, welche kulturelle Rolle die Physik einnimmt, welche philosophischen und geschichtlichen Aspekte dabei wichtig sind und wie Kunst und Physik sich gegenseitig inspirieren. Dass physikalische Erkenntnisse an sich zwar unpolitisch sind, ihre Anwendung aber sehr wohl mit der Politik und ethischen Fragestellungen verknüpft ist (man denke etwa an die Kernspaltung, die Klimaveränderung oder die Informationstechnik), wird ausführlich im letzten Abschnitt „Für die Gesellschaft“ erläutert.

Nachhaltiges Wissen entsteht dort, wo bereits in der Schule die Leidenschaft für das Fach geweckt wird. Dass die Unterrichtsgestaltung einige klassische Methoden wie die Experimente aus der Physiksammlung nutzt und gleichzeitig die Möglichkeiten der Digitalisierung integrieren muss, ist dabei eine aktuelle Herausforderung für die Lehrenden.

Ein Physikstudium hat aufeinander aufbauende Abschlussstufen: Den Bachelor und den Master. Die Promotion kann sich daran anschließen. Rund 2800 Studierende schließen pro Jahr in Deutschland mit einem Bachelor und ebensoviele mit einem Master ab, etwas mehr als 1500 Promotionen pro Jahr kommen dazu. Bei den rund 400 Lehramtsabsolvent:innen der Physik ist Mathematik das häufigste Zweitfach. Alle, die Dingen auf den Grund gehen wollen und an Teamlösungen und Austausch interessiert sind, finden hier einen vielseitigen Studiengang mit mannigfaltigen Berufsperspektiven.

In der Ausbildung von Lehrpersonal für Physik gilt es, gesellschaftlichen und technischen Veränderungen Rechnung zu tragen, diese im Sinne des lebenslangen Lernens zu integrieren und so junge Menschen in ihrer individuellen Persönlichkeit zu fördern. Die zielgruppengerechte Vermittlung eines breiten naturwissenschaftlichen Fundamentes ist gerade bei immer diverseren Klassen mit ganz unterschiedlichem Vorwissen eine große Herausforderung. Neben der naturwissenschaftlichen Grundbildung spielt heute auch die Vermittlung von Medien- und Technologiekompetenz eine große Rolle.

Gut ausgebildete, studierte Physiker:innen arbeiten zu einem großen Teil in anderen Berufen, denn ihr mathematisch-analytisches Denken, mit dem sich unterschiedlichste, komplexe Probleme lösen lassen, wird überall benötigt. Das bedeutet gleichzeitig die Qual der Wahl beim Berufsstart, hier unterstützt die DPG mit Berufsinformationen. Das Studium war immerhin für ganze 87% die richtige Wahl, sie würden es jederzeit wieder aufnehmen.

Die Erforschung der grundlegenden Zusammenhänge, wie sie die Physik betreibt, ist eine der wichtigsten Kulturleistungen der Menschheit. Aufbauend auf den Erkenntnissen und der methodischen Stringenz der Physik wurden und werden viele Innovationen und Verbesserungen der Lebensbedingungen erreicht.

Physikalische Fragen sind häufig auch philosophischer Natur, wie die Natur des Messprozesses in der Quantenmechanik oder Fragen nach Raum und Zeit. Dies betrifft auch Bereiche, die sich der alltäglichen Erfahrung entziehen, wie etwa im Kern eines Schwarzen Lochs oder bei den Prozessen im Allerkleinsten. Messprozesse in der Quantenmechanik, Fragen nach Raum und Zeit – oft geht es darum, Fragen zu stellen, die philosophischer Natur sind. Dies betrifft besonders die Bereiche, die sich der alltäglichen Erfahrung entziehen, wie etwa am Rand eines Schwarzen Lochs oder bei den Prozessen im Allerkleinsten.

Die Physikgeschichte beschreibt dabei die Stationen, die die Wissenschaft auf ihrem Weg genommen hat, von einer reinen von Männern dominierten zu einer diversen und partizipativen Wissenschaft, in der oft leider noch immer längst nicht alle Namen genannt werden, die Großes vollbracht haben.

Kunst und Physik beflügeln sich gegenseitig. Physikalische Forschung liefert zuweilen Themen für Bild, Musik, Roman oder Film. Kunstwerke wiederum können mit physikalischen Methoden untersucht werden, um etwa übermalte Gemälde zu rekonstruieren. Die Freiheit der Kunst, den Stand der Wissenschaft weiterzudenken oder aus einer Außensicht zu reflektieren kann physikalische Forschung sogar inspirieren.

Die zentralen Fragen der Gesellschaft sind heute auch Fragen der gesamten Weltgemeinschaft. Länderübergreifende Forschung ist deshalb gefragt. Die Gemeinschaft der Forschenden ist international organisiert, was weitere diplomatische Kanäle eröffnet. Dabei legt die Wissenschaft Wert auf ihre weitgehende Unabhängigkeit und auf Freiheit und Toleranz.

Physikalische Forschung öffnet oft die Tür zu technischen Entwicklung, die sowohl friedlich als auch kriegerisch genutzt werden können. Dieser Ambivalenz ist sich die Physik sehr wohl bewusst.

Wenn nämlich die Büchse der Pandora einmal geöffnet ist, wie durch die Erfindung der Atombombe, bedarf es klarer und bindender Regeln und Verträge, um die gesamte Menschheit davor zu schützen. Auch heute ist die Gefahr eines Atomkriegs bei weitem nicht gebannt und scheint wieder zunehmend größer zu werden.

All dies berührt den Bereich der ethischen Fragestellungen, ohne die keine gute wissenschaftliche Praxis möglich ist. Ob es Atombomben sind oder das Geo-Engineering: Beides beinhaltet schwere Eingriffe in die Umwelt des Menschen und bedarf der ethischen Reflexion im Rahmen der Technikfolgenabschätzung.

Die Kommunikation von wissenschaftlichen Zusammenhängen trägt zum besserem Verständnis bei und bietet zum Beispiel eine Grundlage zur Veränderung unseres Umganges mit den Ressourcen der Erde. Deshalb ist die Beratung der Politik eine wichtige Aufgabe. Damit naturwissenschaftlich unterfütterte Veränderungen und Gesetze auf den Weg gebracht werden können, braucht es fundiertes und gleichzeitig verständliches Hintergrundwissen wie UN-Generalsekretär Antonio Guterres mit der Gründung des „Scientific Advisory Board“ 2023 unterstrichen hat.

Was aus all dem hervorgeht: Wissenschaft und Gesellschaft brauchen gegenseitiges Verständnis und Austausch, damit sie ihre aufklärerische Kraft entfalten kann und der Gesellschaft dient. Deshalb sollten möglichst viele an den Ergebnissen physikalischer Forschung teilhaben. Dies ist eine wichtige Aufgabe der Wissenschaftskommunikation. Dazu sind in den letzten Jahren viele neue Formate entstanden, so gibt es neben Schülerlaboren sogar Vorträge und Diskussionen in Kneipen und Bars, um eine breite gesellschaftliche Zielgruppe in der Freizeit anzusprechen – fernab von Instituten und Universitäten und leicht verdaulich für alle.